Die Moral stirbt im Mittelmeer

Es ist Sommer und viele Schweizerinnen und Schweizer verbringen ihre wohlverdienten Ferien an der wärmenden Sonne und den nahegelegenen Stränden. Ein Blick in die verschiedenen Zeitungen, mit den Berichten über die Menschen, die in klapprigen Gummibooten nach Europa kommen, lässt uns zwar kurz aufhorchen, aber nicht aus der Ruhe bringen. Es scheint normal geworden zu sein, dass im Jahr 2016 über 5000 Menschen im Mittelmeer ihr Leben verloren haben und auch 2017 bereits 2500 Menschen ertrunken sind.

Wer ist schuld am Genozid im Mittelmeer? Zuerst gab man die Schuld den Schleppern und Menschenhändlern, welche die Not der Menschen schamlos ausnutzen. Diese haben jedoch oftmals eine gewisse Nähe zu den Regierungen, mit denen wir wirtschaftliche Beziehungen pflegen und ausserdem haben die Schlepper ihre Gummiboote von Unternehmen, aus unseren Breitengraden gekauft. Deshalb versiegte der medial gross angekündigte Kampf gegen die Schlepper. Also suchte man die Schuld bei den Behörden der fragilen Staaten auf der anderen Seite des Mittelmeeres. Aber schnell wurde uns bewusst, dass diese Staaten unter anderem gute Abnehmer unserer Waffen sind. Also sind die Schuldigen aktuell die Freiwilligen, welche in Seenot geratene Menschen vor dem sicheren Tod retten. Mit Worten lässt sich letztere absurde Schuldzuweisung gar nicht beschreiben.

Dabei sollten wir uns in den wohlhabenden Staaten lieber einmal selber hinterfragen. Solange eine derart hohe Ungleichheit zwischen den verschiedenen Regionen auf der Welt herrscht und gewisse Menschen ohne jegliche Perspektive geboren werden, so lange wird es Menschen auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben geben. Hier zeigen sich die Konsequenzen unseres schamlosen wirtschaftlichen Ausnutzens der ärmeren Länder. Während wir die Ressourcen zu uns holen, liefern wir die fertigen Produkte wieder zurück und machen oftmals den lokalen Markt kaputt. Als Paradebeispiel lässt sich hierzu etwa die Landwirtschaft nennen. Mit Waffenlieferungen heizen wir zudem die Unterdrückung und die damit verbundenen Konflikte weiter an.

Stirbt nebst den unzähligen ertrunkenen Frauen, Männern und Kindern auch unsere Moral? Nur wenn wir es schaffen das Wohl aller Menschen in den Fokus zu rücken, anstatt nur den eigenen Wohlstand zu erweitern, werden wir diese tragische Situation beenden können.