Asyl und Migration – niemand hat die Sofort-Lösung

Parteien und Politiker überbieten sich derzeit in Ideen zur Lösung der weltweiten Flüchtlingsthematik. Man merkt – es ist Wahlkampf. Und da ist es offenbar nötig, mit Vorschlägen aufzufallen. Auch wenn die allermeisten dieser populistischen Vorschläge kaum mehr als heisse Luft sind; sie dienen einzig der Profilierung und des Stimmenfanges. Darum lohnt es sich grundsätzlich nachzudenken.

Fakten für die Diskussion
Erstens: In der Welt rund um Europa, in Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten toben Kriege und Bürgerkriege. Diktatoren nehmen keine Rücksicht auf die eigene Bevölkerung, wenn es darum geht ihre Machtinteressen durchzusetzen. In vielen Ländern ist jegliche staatliche Ordnung, welche ein Mindestmass an Sicherheit garantiert, zusammengebrochen. Der Westen mit seinen Militärinterventionen ist da nicht ohne Schuld.

Zweitens: Auswanderung gehört zum Grundwesen des Menschen. Schon die alten Helvetier wollten vor 2‘000 Jahren kollektiv nach Südfrankreich auswandern, bis sie Caesar nach der Schlacht von Bibracte wieder heimschickte. Im Rahmen der grossen Völkerwanderung im 4./5. Jahrhundert bewegten sich Millionen von Menschen durch Europa; auch unsere alemannischen Vorfahren kamen aus dem Osten, aus Böhmen. Im 18./19. Jahrhundert migrierten Millionen von Europäern, oft unterstützt von staatlichen Auswanderungsbüros (heute würde man Schlepper sagen) nach Amerika. Der Wunsch nach einem besseren Leben für sich und die Nachkommen ist tief im Menschen verwurzelt.

Drittens: Die Wohlstandunterschiede auf der Erde sind riesig. Während hierzulande die Zahl der Millionäre und Milliardäre steigt, leben Millionen von Menschen von weniger als einem Dollar im Tag. Unterschiede gab es schon immer. Aber, sie sind in den letzten Jahren grösser geworden. Und dank der modernen Kommunikation ist das Wissen darüber in jeder Ecke der Welt angekommen.

„Marshall-Plan“
Was ist zu tun? Die Schweiz und ganz Europa können nicht Millionen von Flüchtlingen und Asylsuchenden aufnehmen. Obwohl wir alle einiges mehr tun könnten als jetzt. Die Schweiz und ganz Europa können auch nicht Mauern und Stacheldrahtverhaue errichten und meinen, damit liesse sich die weltweite Migration aufhalten.

Es braucht einen umfassenden „Marshall-Plan“ für Afrika und die Länder des Nahen und Mittleren Ostens. Das wird Milliarden kosten, wie der „Marshall-Plan“ nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges in Europa, den die USA finanzierten. Dieser Plan muss drei Dinge beinhalten: Wirtschaftlicher Wiederaufbau nach den Zerstörungen, Demokratisierung der Gesellschaft in Freiheit und Toleranz, Fairness in den Beziehungen zwischen allen beteiligten Staaten und den Menschen. Das ist die grosse Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte für Europa, und damit auch für die Schweiz.

Was es nun braucht in Bundesbern ist langfristig ausgerichtete Arbeit statt kurzfristige Polemik.

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